Diabetes? Frag die Zuckertante!

Diabetes? Frag die Zuckertante!

SLGT 2-Hemmer

Dapaglifozin, Empaglifozin

in Forxiga, Jardiance

DAS ist ja mal eine tolle Idee – überschüssiger Zucker rinnt mit dem Harn davon! Ist schon komisch: da haben wir jahrelang darauf aufgepasst, dass Diabetiker möglichst selten Zucker im Harn haben  – nun kommt ein Medikament daher, und plötzlich gilt das nicht mehr so wie früher.

Wenn man eins dieser Medikamente nimmt, wird bei erhöhtem Blutzucker einfach mehr Zucker mit dem Harn ausgeschieden – feine Sache und für viele Diabetiker ein sehr gutes Medikament!

Für Typ 1 Diabetiker könnten sie eine Hilfe sein, besonders bei labilem Diabetes, weil damit die Blutzucker-Spitzen ein bisschen "gekappt" werden könnten - sie sind aber (noch?) nicht für Typ 1 Diabetes zugelassen.

Wie sie wirken

Die gesunde Niere hält Zucker zurück

Die Niere ist dazu da, schädliche und giftige Stoffe mit dem Harn aus dem Körper hinaus zu befördern. Bei Zucker funktioniert das so: bis zu einer Blutzucker-Höhe von circa 180 bis 200mg% wird kein Zucker mit dem Harn ausgeschieden. Wenn der Zucker im Blut über diese Grenze steigt, dann lässt eine gesunde, normale Niere Zucker mit dem Harn davon rinnen. Sie hilft so den Zuckerspiegel im Blut zu senken.

Wie die Niere das macht

In der Niere läuft das Blut zeurst durch einen Filter. Durch den rinnt Blutflüssigkeit hindurch, und mit ihr die vielen verschiedenen Stoffe im Blut. Auch der Zucker.

Dann läuft die gefilterte Flüssigkeit durch kleine Kanälchen, und dort holt sich der Körper Wasser zurück und viele andere Substanzen, die er noch brauchen kann. Für jeden einzelnen Stoff, der da "rück-resorbiert" (wieder aufgenommen) werden soll, gibt es spezielle Transport-Systeme. Die, die den Zucker rausfischen, und vom Harn in den Körper zurück befördern, die heißen SGLT 1 und SGLT 2.

Zucker im Harn schon bei leicht erhöhtem Blutzucker

Die Medikamente "SGLT2-Hemmer" bremsen das Zucker-Rücktransport-System. So schwemmt die Niere schon bei niedrigeren Blutzucker-Werten als sonst Zucker mit dem Harn aus dem Körper hinaus.

Das Schöne daran: wenn die Blutzuckerwerte im Normalbereich liegen, dann hört dieser Effekt auf. Daher können die SGLT2-Hemmer kaum eine Unterzuckerunf (Hypo) verursachen.

Da rinnen auch Kalorien davon....

Nebeneffekt: Zucker, der mit dem Harn davonrinnt, enthält auch Kalorien – bei eher hohen Blutzucker-Werten kann man mit diesem Medikament schon so ca. 200 kcal an einem Tag einfach mit dem Harn loswerden. Das klingt nicht nach viel, summiert sich aber in einem Jahr zu 2 bis 3 Kilo Gewichtsverlust.

"Süßer" Harn - mehr Infekte?

Anfangs gab es Bedenken, ob durch den häufiger „süßen“ Harn nicht Bakterien angelockt werden, und ob Leute die solche Medikamente nehmen, deshalb nicht öfter Harnwegsinfekte haben?

Das hat sich aber kaum bewahrheitet, nur sehr selten gibt es Harnwegsinfekte. Manchmal, aber immer noch selten, Pilz-Infektionen der Scheide. In einigen Studien gab es Hinweise auf häufigeres Auftreten von Blasenkrebs, allerdings so gering, dass die Behörden keinen Grund sahen, dem ersten dieser Medikamente, Forxiga,  die Bewilligung zu entziehen. Diese Frage wird derzeit in mehreren großen Studien genau nachgeprüft. Nach allem, was wir wissen,  sind dies gute und verlässliche Medikamente. Falls es neue Erkenntnisse gibt, erfahren Sie es gleich auf den Seiten der Zuckertante.

Vor-/Nachteile

+ einmal täglich zu nehmen

+ leichte Gewichtsabnahme

+ wirken besonders gegen hohe Blutzucker-Spitzen

- eventuell vermehrte Harnwegsinfekte

- manchmal Pilzinfektionen in der Scheide

 

 

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Diesen "chemischen Namen" sollten Sie auch in unserer Medikamentenliste finden - wenn nicht, schreiben Sie bitte der Zuckertante! Sie geht dann für Sie auf die Suche.