Diabetes? Frag die Zuckertante!

Diabetes? Frag die Zuckertante!

Schritt 7 - die ersten Wochen

Jetzt beginnen Sie, dies alles in die Praxis, in Ihren Alltag umzusetzen. Das wird spannend...

Sie sind ja schon bestens ausgerüstet, mit Wissen, Messgerät, vielen Tipps, vielleicht mit Tabletten oder Insulin. Sie messen immer wieder Ihren Zucker, wundern sich über den einen oder anderen Wert, sind unsicher beim Essen,...

Das wird Sie am Anfang sehr beschäftigen, betrachten Sie die ersten Wochen ganz bewusst als "Lehrzeit"!

"Komische Blutzucker-Werte"

messgeraet blauViele Diabetiker messen in der ersten Zeit sehr oft den Blutzuker.  Das ist auch klug, so lernen Sie Ihren Körper und seine Reaktionen besser kennen. Versuchen Sie, vor jedem Zucker-Messen selbst zu schätzen, wie hoch der Blutzucker sein wird. So als kleines Spiel mit sich selbst.  Damit trainieren Sie Ihr Gespür dafür, wie sich Essen, Bewegung, Alltags-Stress auswirken.

Und Sie können so herausfinden, wie hoch der BZ ist wenn Sie ihn als "zu hoch" oder "zu tief" spüren. Am Anfang werden Sie mit Ihren Schätzungen oft "daneben" liegen. Mit mehr Erfahrung werden Ihre Vorhersagen bestimmt besser, aber Sie werden trotzdem erleben, dass es vereinzelt wirklich "unerklärliche" Werte gibt:

Wenn z.B. Ihr Nüchtern-Blutzucker eigentlich immer ganz schön ist, so zwischen 85 und 125 mg%, und Sie messen an einem Morgen plötzlich 176 mg%: nicht gleich erschrecken, zuerst nachdenken: gibt es eine Erklärung für den hohen Wert?

  • Gestern Abend zu viel gegessen?
  • Tabletten oder Insulin vergessen?
  • Erkältung im Anzug?
  • Aufregung, ein Streit spätabends oder in der Nacht?

Wenn aber das alles nicht der Fall war - was könnte es dann sein? Nun, hier muss man ehrlich sagen: man kann nicht immer jeden Wert erklären.... zu viele Faktoren beeinflussen den BZ und einzelne "Ausrutscher" sollen Sie nicht aus der Ruhe bringen - Sie sind halt ein Mensch und keine Maschine! Es gibt tatsächlich immer wieder Werte, die logisch nicht zu erklären sind - jeder Diabetes-erfahrene Arzt, jeder "alte Hase" unter den Diabetikern wird Ihnen das bestätigen.

Andererseits dürfen lauter "unerklärliche Werte" keine Ausrede werden für eine tatsächlich schlechte Einstellung.... Faustregel: ein bis zwei "Ausreißer" in 2 Wochen ignorieren und weitertun wie gewohnt (bzw. hohe Werte korrigieren, wenn Sie schon die Möglichkeiten dafür haben). Wenn's häufiger wird oder wenn Sie ernstlich beunruhigt sind: Kontakt aufnehmen mit Ihrem Arzt!

Hypos - zu wenig Zucker im Blut

Davor hat sicher jeder am Anfang am meisten Angst - vor dem Hypo, der "Unterzuckerung", also dem "zu tiefen" Blutzucker. Recht schnell hört man Schauergeschichten von Diabetikern, die irgendwo "einfach umgefallen" sind, weil der BZ zu tief war... wenn Sie genauer nachfragen, werden Sie feststellen, dass die meisten dieser Geschichten Hörensagen über viele Ecken sind, oder dass sie vor  Jahren passiert sind. Heute ist das alles sehr sehr selten geworden - und als Typ 2 Diabetiker am Beginn der Behandlung werden Sie entweder überhaupt keine, oder nur leichte Unterzuckerungen spüren.

Diese Warnzeichen müssen Sie kennen:

  • Hunger
  • komisches Gefühl im Magen
  • leichte Übelkeit
  • Zittern
  • Schwitzen
  • Bamstigkeit um den Mund...

und Sie müssen wissen, dass Sie dann Traubenzucker nehmen sollen, dann geht's in der Regel schnell vorbei.

Darüber sprechen, dass Sie Diabetiker sind

Vielleicht überlegen Sie hin und her, wem Sie es denn nun sagen sollen, dass Sie nun Diabetiker sind.  Ihre engere Familie weiß sicher schon Bescheid; ob Sie es Ihren Freunden und den Kollegen in der Arbeit erzählen, bleibt Ihnen überlassen.

Lassen Sie sich Zeit, bis Sie ein wenig sicherer geworden sind.

Einerseits müssen Sie Ihren Dienstgeber nicht vom Diabetes informieren, andererseits wird es immer selbstverständlicher, Menschen zu sehen, die BZ messen und Insulin spritzen, in der U-Bahn, in Cafes und Restaurants, natürlich auch in Betrieben. Es mag aber Jobs geben, wo Sie als Diabetiker schief angesehen werden oder wo man Ihnen schnell Entscheidungs- und Führungs-Fähigkeiten absprechen will.

Neue Diabetiker entdecken

messgeraet pinkDie Zuckertante hat die Erfahrung gemacht, dass jeder Diabetiker recht bald einen weiteren neuen entdeckt - Sie kennen nun die Symptome und Ihr cooles Messgerät erregt Interesse. Sie werden sehen, dass Sie immer wieder gebeten werden, anderen den BZ zu messen! Das können Sie auch gerne tun, solange Sie die tiefen Werte Gesunder nicht als Ihre eigenen ins Tagebuch schreiben ;-) ! Und ich würde Ihnen empfehlen, im Familienkreis mit dem Blutzucker-Messen vorsichtig zu sein und besonders Ihre Kinder nicht zu stechen, außer die wollen das unbedingt einmal ausprobieren - dann sollte es aber auch bei sehr seltenen Malen bleiben. Sie sind Partner oder Partnerin, Mutter oder Vater, Bruder, Schwägerin, Freund.... aber nicht der Arzt von Familie und Freunden!

Wenn Sie  tatsächlich viel zu hohe Werte bei einem anderen Menschen messen: Sie können nur dringend empfehlen, dass er oder sie sich an einen Arzt, an eine Ärztin wendet. Sie können von Ihren eigenen Erfahrungen berichten. Sie können Empfehlungen, Tipps geben - aber die Entscheidung, ob jemand zum Arzt geht, ob jemand sich untersuchen, beraten lässt - die trifft der Andere, die Andere immer selbst. Sie können einen anderen Erwachsenen zu nichts zwingen. Das kann recht belastend werden, wenn der oder die andere krank wirkt, wenn Sie merken, dass  es immer schlechter wird, wenn Sie wissen, dass man recht einfach etwas dagegen tun kann ... Diese Hilflosigkeit ist schwer auszuhalten. Daher: ja, es ist gut neue Diabetiker zu entdecken und mitzuhelfen, dass die Behandlung rechtzeitig beginnt. Aber stechen Sie andere nur in den Finger, wenn Sie genug Abstand haben und es aushalten können, falls der oder die das Ergebnis gelich wieder "vergisst"!

Was tun bei falscher Tabletten-Einnahme?

Wenn Sie einmal Ihre Zucker-Tabletten vergessen haben, passiert meist gar nichts - der Körper kann das ausgleichen und die Werte ändern sich kaum. Machen Sie einfach weiter wie gewohnt, nicht die Einnahme nachholen!

Wenn Sie versehentlich zu viele Tabletten geschluckt haben,

pillen blisterkommt es ganz darauf an, welche das sind: Medikamente, die den Insulin-Spiegel erhöhen, wie die Sulfonylharnstoffe, können bei Über-Dosierung Hypoglykämien, Unterzuckerungen hervorrufen - auf jeden Fall an diesem Tag engmaschig den Blutzucker kontrollieren (jede Stunde!) und am besten mit Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen. Wenn Sie sehen, dass die BZ-Werte langsam nach unten gehen, ist's Zeit für Topfengolatsche oder Sachertorte! Weiter kontrollieren bis zu dem Zeitpunkt, wo die Wirkung der Tabletten abgeklungen ist (im Allgemeinen nach ca. 12 Stunden).

Die meisten anderen Tabletten bewirken nicht so leicht Hypos, Unterzuckerungen. Wenn Sie aus Versehen die doppelte Dosis geschluckt haben - bitte wenden Sie sich trotzdem an Ihren Arzt!

Wie Ihre Tabletten genau wirken, dass können Sie in unserer Medikamenten-Suchmaschine nachlesen!

Und wieder einige Wochen später ist der nächste Arztbesuch fällig... Schritt 8.

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