Diabetes? Frag die Zuckertante!

Diabetes? Frag die Zuckertante!

Schritt 4 - Diätberatung

- das ist der nächste Schritt auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben mit Diabetes mellitus.

Einer der wichtigsten, denn durch das, was wir essen und trinken, beeinflussen wir unseren Zuckerspiegel.

Vielleicht haben Sie schon Verwirrendes im Bekanntenkreis gehört: dass Diabetiker nur zu bestimmten Zeiten essen dürfen, dass sie schrecklich kompliziert mit "Broteinheiten" rechnen müssen, dass das Essen mit Diabetes "überhaupt keinen Spass mehr" macht, dass "ohnehin ALLES erboten ist"...
Bitte, glauben Sie NICHTS DAVON!

All das stimmt so schon lange nicht mehr. Es gibt zum Beispiel keine Nahrungsmittel mehr, die "ganz und gar verboten" sind.

Denken Sie an unser Erstgespräch zurück, in Schritt 1: wir hatten gesagt, dass sowohl Zucker im Essen als auch Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel erhöhen. Sie wissen auch schon, dass Ihre Bauchspeicheldrüse nur mehr schwer so viel Insulin herstellen kann wie Sie brauchen... da wäre es doch vernünftig, der Drüse zu helfen und sie nicht dauernd zu überfordern!

Kohlenhydrate, also Mehrfachzucker, wie die Stärke in Brot, Nudeln, Erdäpfeln ... müssen  erst zu Einfachzuckern abgebaut werden, bevor sie den Blutzuckerspiegel erhöhen. Deshalb kommen sie eher langsam vom Darm ins Blut.

punschkrapfenWenn sie aber etwas mit reinem Zucker essen, dann geht der sehr schnell vom Darm ins Blut über. Schwierig für die Bauchspeicheldrüse.

Für uns alle ist es einfacher, wenn die Arbeit ,die wir tun müssen, schön verteilt den Tag über kommt und nicht immer wieder plötzlich so viel, dass wir es kaum schaffen.

Genau so geht es auch einer schwächeren Bauchspeicheldrüse: Es fällt ihr leichter, die entsprechende Menge Insulin zu produzieren, wenn Sie Dinge essen, die den Blutzuckerspiegel erst nach und nach ansteigen lassen, also Dinge, die "langsam ins Blut gehen". Dass das nicht gerade ein Punschkrapferl ist, mit viel rosa Glasur aus reinem Zucker außen rum, sondern eher Vollkornbrot, ist klar.

Kohlenhydrate, die den Blutzucker langsam ansteigen lassen, sind deshalb günstiger für einen Diabetiker als reiner Zucker oder Traubenzucker, die den Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigen lassen.

Von daher kommen die Empfehlungen, mehr Vollkorn- oder "al dente" gekochte Beilagen und dunkles Brot zu essen und weniger Süßigkeiten und Mehlspeisen - aber ein generelles Verbot gibt es für alle diese Dinge nicht mehr.

semmelIn neueren Diätempfehlungen wird sogar erlaubt, zehn Prozent der Menge an täglich gegessenen Kohlenhydraten als Zucker zu essen - und damit braucht jemand, der sich das Leben einfach nicht vorstellen kann ohne die Honigsemmel. das HOnigbrötchen am Morgen, auch darauf nicht mehr verzichten!

Man muss nur wissen was man da tut und warum - und um dieses Wissen geht's in der Diätberatung. Sie sollten sich einzeln mit einer Diätberaterin treffen. Jeder von uns bringt verschiedenes Vorwissen mit, jedem schmecken andere Dinge besonders gut, jeder hat einen anderen Tagesablauf. In einer Diätberatung geht es vor allem darum, ganz persönlich für Sie Hinweise und Tipps zu geben.

Leider ist das gar nciht so einfach. Einzeldiätberatungen gibt es in den Diabetesambulanzen. Sonst muss man sich umsehen - und meist privat bezahlen. Weil leider bei weitem nicht jeder, der Beratung braucht, die auch bekommen kann, hat die Zuckertante einiges dazu aufgeschrieben: sehen Sie hier und hier.

Die allgemeinen Ernährungsempfehlungen, die ganz genau so für Gesunde wie für Diabetiker gelten, haben Sie schon im Diabetesschulungskurs gehört. Sie werden sehen, obwohl anfangs alles so logisch und einfach klingt, kommen im Alltag doch Fragen: beim Einkaufen, Kochen, Essengehen...  Am besten ist es, diese Fragen aufzuschreiben und zum Termin bei der Diätberaterin mitzubringen. Und ganz besonders wichtig: wie bei allen Schulungen sollten Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin mitbringen! Das ist bei der Diätberatung besonders dann wichtig, wenn der Partner derjenige ist, der bei Ihnen zuhause meist kocht. Nach der ersten Einzeldiätberatung sollten Sie zumindest noch einen Termin vereinbaren, zwei bis drei Wochen später.

colaWovor ich Sie auf jeden Fall gleich hier und ernsthaft warnen möchte: süße Limonaden, wie Cola, Fanta, Sprite... – weg damit! In einem Liter sind ca. 140 g (14 Deka!!) reiner Zucker - wiegen Sie das zuhause einmal ab, das ist eine Menge mit der man schon einen schönen großen Kuchen backen kann! Zum Glück gibt es alle diese Limonaden auch in der Light-Variante, und die können Sie unbesorgt trinken - da ist Süßstoff drin, in einer Menge die nach heutigem Wissensstand  nicht schädlich ist.  Cola light usw. erhöht den Blutzucker daher kein bisschen. Wenn jemand wegen des großen Dursts bei hohen Zuckerwerten vor der Entdeckung des Diabetes viel Cola getrunken hat, bringt das Umsteigen auf Cola light eine ganze Menge und die Zuckerwerte werden sofort dramatisch besser. Sicherlich schmecken die Light-Limonaden nicht ganz so wie die Originale, aber hier lohnt es sich wirklich, Abstriche zu machen.

Sonst sind teure Diät-Produkte kaum sinnvoll. Diabetikersüßigkeiten, Diabetikerschokolade und Diabetikerkekse schmecken meist nicht besonders gut, sind teuer und enthalten manchmal mehr Fett als die "normalen" Bäckereien. Da ist es klüger, wenn Sie mit Ihrem Arzt besprechen, wie Sie Ihre Therapie ändern können, wenn Sie einmal mehr essen wollen - Feste feiern, Freunde treffen, essen gehen gehören zu jedem Leben dazu und Sie sollen sich davon nicht ausgeschlossen fühlen, nur weil Sie nun Diabetiker sind.

torte01Wenn Sie Ihren Diabetes nur mit Diät behandeln, sind gelegentliche Festessen meist kein großes Problem, wie Sie anhand Ihrer Blutzuckerwerte überprüfen können. Allenfalls brauchen Sie für diese Anlässe doch ein Medikament. Wenn Sie Tabletten einnehmen müssen, kann man auch immer eine Lösung finden, und wenn Sie Insulin spritzen, werden Sie bald nach einigen Hinweisen Ihres Arztes herausfinden, wie Sie damit den Blutzucker steuern können und was Sie tun müssen, damit Sie auch nach einem abendlichen Geburtstagsessen morgens gute Blutzuckerwerte haben.

Dieses Wissen, wie man mit "besonderen Gelegenheiten" umgehen kann, sollte Ihnen unbedingt im Rahmen einer Diabeteseinstellung vermittelt werden.

Im Schritt 5 unterhalten wir uns darüber, welche Unterschungen sein müssen.

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